Ja, das bringt was. Nähen macht glücklich.

12:47 17 Comments A + a -

Oder allgemeiner: Selbermachen macht glücklich. 
Manchmal werde ich gefragt, warum ich so viel nähe. Ob ich das denn alles brauche. Bringt das was? 

Ja, das bringt was. Mir bringt das was. Nicht immer das fertige Produkt, aber die Arbeit daran. Wenn ich mich mit meinen Stoff- und Nähprojekten beschäftigen kann, bin ich glücklich, entspannt, kann alles andere vergessen. Aus ein paar Minuten werden manchmal Stunden und wenn ich mal zu spät zu einer Verabredung komme (selten!), dann nur, weil ich mich beim Nähen vertrödelt habe, die Zeit vergessen, schnell noch was fast fertig gemacht und oh, plötzlich ist es schon so spät und ich sollte mir vielleicht mal die Haare kämmen und schnell die Schuhe suchen. Und dann erzähle ich von dem was ich mache, welche Fehler ich gemacht und was ich gelernt habe, welche Ideen mir gekommen sind oder welche Technik ich noch ausprobieren will. Manchmal nickt die Person mir gegenüber freundlich und schaut dabei mäßig interessiert und irgendwann fällt mir dann ein, dass das zwar meine Begeisterung ist, diese in meinem Umfeld aber nur sehr wenige nachvollziehen können.


"Lohnt sich das?/Verdienst du damit Geld?/Verkauft sich sowas überhaupt?", werde ich oft gefragt. Ja, das lohnt sich. Aus oben genannten Gründen einfach. Ja, gelegentlich habe ich auch mal Auftragsnäharbeiten bei denen ein paar Euro rumkommen, aber die fließen dann ja doch wieder in die Nähkasse. Verdienen tue ich damit also gar nichts. 

Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass vieles von dem was ich nähe, am Ende keinen bestimmten Zweck erfüllt. Ich habe zwei große Boxen, in denen ich gesammeltes Nähwerk aufbewahre. Manches davon findet schnell neue Besitzer, vieles aber nicht. 
Mein Nähpensum kann ich also auf gar keinen Fall mit meinem Taschenbedarf rechtfertigen, aber seit wann muss man sein Hobby rechtfertigen? Der eine sammelt Briefmarken, ein anderer ist regelmäßiger Kinogänger oder Hobbykoch. Da fragt ja auch keiner, ob sich das lohnt. Und was sich auch lohnt, sind die anderen. Die anderen Näherinnen, Handarbeiterinnen und Schreiberinnen bei denen es so viel zu sehen gibt, so viel zu lernen und immer ein paar nette Worte am Rande.

 
Meistens habe ich die Zeit dafür, viele meiner Ideen auch umzusetzen und wenn ich sie mal nicht habe, fehlt mir das sehr schnell. Ich liebe es, immer wieder dazuzulernen, neue Techniken auszuprobieren, verschiedene Materialien zu verarbeiten und zu gestalten. Inspiration dafür kommt von überall. Pinterest ist wahrscheinlich die größte Inspirationsquelle, Ideensammlung. Aber auch auf zahlreichen Blogs, im Alltag oder beim durch die Stadt schlendern, Augen offen halten und Menschen beobachten kann man so viele Eindrücke sammeln. 


Seit ich nähen gelernt habe, hat sich mein Blick verändert. Ich nehme viel mehr wahr. Materialien, Formen, Muster. Natürlich im textilen Bereich, aber auch sonst. Alles, was mich umgibt. Ich mag ja nicht nur Stoff, auch wenn einige das sicher vermuten würden. Ich freue mich immernoch über ein schön gestaltetes CD-Cover, die ersten Kastanien, tolle Postkarten, fantasievoll illustrierte Kinderbücher oder andere Schönigkeiten meiner Umwelt.  



Auf den Bildern, die ich in den Aufsatz gestreut habe, ist übrigens mein neustes Nähwerk - ein kleines Täschchen aus den Resten einer größeren Tasche. In den letzten beiden Wochen hatte ich nicht so viel Zeit zum Bloggen und Fotografieren, genäht habe ich aber trotzdem viel in den freien Stunden. Jetzt muss ich nur nach und nach alles fotografieren(lassen), wenn das Wetter mitspielt. 

 
Der Libellenstoff ist (bevor einer fragt) ein Geschirrtuch gewesen, dass viel zu schön und viel zu teuer für ein Geschirrtuch war, aber auf gar keinen Fall im Laden bleiben konnte. Genau wie seine Schwester mit den Fischen. Das süße Label vom Geschirrtuch habe ich mit eingenäht, weil es farblich einfach perfekt passt, finde ich.



Und damit mache ich mich jetzt auf den Weg zum Creadienstag und HoT.

17 Kommentare

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Kathrin
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19. September 2017 um 13:12 delete

Du sprichst mir aus der Seele! ;-) verabreden wir uns doch mal, deine Themen klingen so ganz nach meinem Geschmack! :D Wo hast du die Geschirrtücher her? Die Muster sind grandios, echt schön! Liebe Grüsse, Kathrin

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19. September 2017 um 13:22 delete

Liebe Ronia,
das ist absolut zutreffend. Genauso empfinde ich das Nähen auch und kaum einer versteht es. ��
Ein tolles Täschchen hast du genäht. Solche Geschirrtücher sind wirklich fast zu schade um mit ihnen abzutrocknen.
Ganz liebe Grüße
Tina

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Ronja
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19. September 2017 um 14:16 delete

Liebe Kathrin, vielen Dank und gerne!
Die Geschirrtücher habe ich auch einem ganz kleinen Laden hier in der Stadt, aber die Marke hat sogar einen eignene Onlineshop und eine Händlerliste - vielleicht gibt es ja auch einen Laden in deiner Nähe :)

https://www.tranquillo-shop.de/de/Home/

Liebe Grüße!

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Ronja
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19. September 2017 um 14:18 delete

Liebe Tina,
erstmal vielen Dank :) Und schön zu wissen, dass es anderen auch so geht.
Ja, die Geschirrtücher waren einfach für Taschen bestimmt!
Liebe Grüße!

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19. September 2017 um 18:38 delete

Was für ein wunderschöner Stoff! Ich bin ganz neidisch und muss mir den glaube ich auch sofort kaufen ;-)

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19. September 2017 um 19:14 delete

Du hast vollkommen recht! Selbermachen ist einfach schön.
Deine Libellentasche gefällt mir gut, ich wäre nie drauf gekommen, dass das ein Geschirrtuch ist.
Viele Grüße, Tina

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19. September 2017 um 19:18 delete

das ist ein sehr sehr schöner beitrag und geht so weit über das eigentlich gezeigte nähwerk hinaus. ganz nach meinem geschmack. fabelhaft!
liebst,
jule*

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Ronja
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20. September 2017 um 12:10 delete

Ja, an dem konnte ich auch einfach nicht vorbeigehen ;)

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Ronja
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20. September 2017 um 12:11 delete

Vielen Dank! Ist ja eigentlich auch nur Stoff ;)
Liebe Grüße,
Ronja

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Ronja
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20. September 2017 um 12:11 delete

Danke dir!
Liebe Grüße,
Ronja

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Mareike
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20. September 2017 um 21:44 delete

Liebe Ronja,

mit dem Beitrag sprichst Du mir aus der Seele. Ich bin kürzlich von meiner Mama gefragt worden, wieviele Decken ich denn noch nähen möchte? So viele, bis ich keinen Spaß mehr dran habe!
Vielleicht sollten wir eine Blogreihe machen: Warum ich nähe und blogge?

LG Mareike

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Ronja
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20. September 2017 um 23:53 delete

Genau, solange es Spaß macht! Deine Idee gefällt mir :)
Liebe Grüße,
Ronja

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21. September 2017 um 21:51 delete

Liebe Ronja, ich seh das auch ganz ähnlich, ich mag Deinen Zugang und Deine Sichtweise.
lg, Gabi
PS: Könntest Du bitte das Abonnieren Deines Blogs per Mail einschalten? Ich bin von Bloglovin und all den anderen Tools einfach überfordert und lese am liebsten das, was direkt in meinen Posteingang kommt... Das würd mich riesig freuen!

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Ronja
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21. September 2017 um 23:49 delete

Vielen Dank!
Das Widget habe ich eingeschaltet, findest du jetzt in meiner Sidebar weiter unten (leuchtend Gelb!). Danke für den Hinweis :)
Liebe Grüße,
Ronja

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21. September 2017 um 23:56 delete

Super, danke, und gleich abonniert! Gute Nacht!

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Ines
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22. September 2017 um 18:58 delete

Liebe Ronja,
Danke für Deine Worte und Gedanken! Mir begegnete auch schon die Frage: Und was machst Du damit? (da war ein Quilt gemeint). Und für mich beantwortete ich diese Frage innerlich: weil ich sie nähen wollte. Diese Neugier, was Neues auszuprobieren, durchzuhalten und abzuschalten - neben dem ganz normalen Alltag tut das einfach gut.
Liebe Grüße
Ines

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25. September 2017 um 17:19 delete

Liebe Ronja, ja ich glaube dieses Hobby (oder Sucht?) und welche Begeisterung man da auch für noch so kleine Details entwickeln kann, verstehen nur die, die selbst nähen oder in ähnlicher Weise tätig sind. Da aber in meinem Kollegen- / Freundeskreis nur ganz wenige von meinem Hobby wissen, muss ich mich da zum Glück auch nicht rechtfertigen. Wie gut, dass es ein WWW voll Gleichgesinnter gibt ;-)
Liebe Grüße, Sandra

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